Ehen, die in die Brüche gehen, stellen nicht nur eine große Belastung für die beiden Partner, sondern vor allem auch für deren Kinder dar. Sie leiden oft sehr unter der Situation und reagieren mit Verhaltensänderungen. Eine individuelle psychotherapeutische Begleitung kann dabei helfen, mit dem neuen Leben ohne Mama oder Papa zurechtzukommen und die Trennung der Eltern zu akzeptieren.
Die Zeit vor und während der Trennung
Scheidungen geht meist ein lang andauernder Beziehungskonflikt der Eltern voran. Der familiäre Alltag ist also von Spannungen und Konflikten geprägt. Die Kinder werden oft vernachlässigt oder gar von den Eltern zur Festigung der eigenen Machtposition missbraucht. Nicht selten geraten sie so „zwischen die Fronten“ und werden zum Spielball in den Zwistigkeiten ihrer Eltern, die nach der Scheidung ihre Fortsetzung im Sorgerechtsstreit finden und nicht selten vor Gericht enden. Bei den Kindern kann man in solchen Fällen eine innere Zerrissenheit beobachten. Je nach Temperament und Charakter ziehen sie sich entweder zurück, reagieren mit Überanpassung oder auffallend aggressivem Verhalten, wobei letzteres dazu dient, die verlorene Aufmerksamkeit der Eltern wiederzuerlangen.
Mögliche psychische Reaktionen von Scheidungskindern sind:
- Gesteigerte Aggressivität (Zorn, Streitlust, ja sogar strafrechtlich relevante Auffälligkeiten wie Diebstahl kommen manchmal vor)
- Altkluges, pseudo-erwachsenes Auftreten
- Stiller Protest/ „Nicht-Anerkennen“ der schmerzlichen Situation
- Rückzug (innerlich wie äußerlich)
- Bedrücktheit und Niedergeschlagenheit
- Sozialer Rückzug (häufig bei älteren Kindern oder Jugendlichen)
- Lernschwierigkeiten und Konzentrationsstörungen
- psychosomatische Reaktionen wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen etc.
Oft treten auch mehrere Reaktionen in Kombination oder im Wechsel auf. Ob es zur Entwicklung schwerwiegender, seelischer Störungen beim Kind kommt, hängt von unterschiedlichen Faktoren wie Alter, Entwicklungsstand, seelischer Grundstimmung und emotionalem Reifegrad ab. Es spielt auch eine Rolle, ob und wie die Kinder gelernt haben, ihre Ängste zu bewältigen, und wie schnell sie mit veränderten Lebensumständen klarkommen. Ausschlaggebend bei der Aufarbeitung ihres Trennungsschmerzes ist ferner die Qualität der elterlichen Beziehung. Letztlich soll auch die sozio- ökonomische Situation der betroffenen Familie als einflussgebender Faktor nicht unerwähnt bleiben.
Wie kann eine psychotherapeutische Begleitung helfen?
Kinder von Paaren, die sich trennen, brauchen unbedingt Unterstützung, um ihre veränderte Alltags- und Lebenssituation zu bewältigen. In meiner psychotherapeutischen Praxis helfe ich betroffenen Kindern und deren Eltern, mit Wut, Trauer und möglichen Schuldgefühlen umzugehen, Verlustängste zu bewältigen und ihre Wut und Gefühle auszudrücken.
Der Fokus liegt dabei auf folgenden Zielen:
- die Trennung/Scheidung akzeptieren: Es ist wichtig, den Kindern eine realistische Vorstellung davon zu geben, was die Trennung der Eltern bedeutet. Angstbesetzte Fantasien müssen abgebaut und tatsächliche Veränderungen positiv umgedeutet werden (z.B. weniger Streit zwischen den Eltern, mehr Freiraum etc.)
- zu den eigenen Gewohnheiten zurückfinden: Das gilt vor allem für ältere Kinder und Jugendliche. Anzustreben ist, dass sich ihre Gedanken nicht ausschließlich um den Trennungs- und Scheidungsprozess drehen
- Verlust- und Ablehnungsgefühle müssen verarbeitet werden. Das Kind muss lernen, dass es keine Schuld an der Scheidung der Eltern hat und sich von der Vorstellung, keine „richtige Familie“ mehr zu haben, verabschieden. Ziel der therapeutischen Arbeit ist auch, den Kindern die Gleichwertigkeit moderner Lebensformen (z.B. Patchwork- Familien) zu vermitteln
- mit der Wut umgehen lernen: Viele Scheidungskinder unterdrücken ihren Zorn, da sie ihre Eltern nicht zusätzlich belasten wollen. Für ihre seelische Gesundheit brauchen sie aber ein Ventil dafür. Eine therapeutische Begleitung kann dabei helfen, diesen inneren Konflikt zu lösen und dem Kind Ausdrucksmöglichkeiten für die eigene Wut geben. Es ist wichtig zu wissen, dass sie die Liebe und Zuwendung der Eltern durch ihre Wut nicht aufs Spiel setzen.
- Versöhnung mit den Eltern: Dieser Prozess benötigt Zeit, denn viele Kinder erleben die Scheidung der Eltern als Angriff auf ihre kindlichen Interessen. Der Schritt wird umso schwieriger, je mehr die Eltern versuchen, ihre Kinder in mögliche Scheidungsstreitigkeiten hineinzuziehen.
- Akzeptanz: Die Rückkehr zum Alltag fällt am leichtesten, wenn die Kinder die Trennung der Eltern als unumkehrbar akzeptieren. Dafür braucht es aber viel Zeit und Geduld.
Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass eine Psychotherapie in der schwierigen Zeit der Trennung und Scheidung dem Kind eine wichtige Stütze sein kann. Sie ist für die Kinder- und Jugendlichen in dieser schwierigen Zeit ein neutraler, stabiler und „sicherer Ort“ wo sie ihre Sorgen, Ängste, Befürchtungen deponieren können. Als systemische Psychotherapeutin sehe ich mich auch als Vermittlerin zwischen den Anliegen der Kinder und deren Obsorgeberechtigten.