Multiple Sklerose wird auch „die Erkrankung mit den 1000 Gesichtern“ genannt. Es ist eine Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems.

In Österreich sind etwa 12000 Menschen betroffen, wobei Frauen häufiger erkranken als Männer. MS wird meist im Alter zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr diagnostiziert. Diese Erkrankung kann aber auch bereits im Kinder- und Jugendalter auftreten. (Univ. Prof. Dr. Leutmezer)

Jede Person hat ihren eigenen Verlauf und Symptome. Leider wird MS immer noch mit dem Rollstuhl kombiniert. Sehr oft dauert es längere Zeit bis Betroffene die richtige Diagnose erhalten. Dies ist für die Betroffenen, deren Angehörige und Freunde meist ein großer Schock.

In Folge ergeben sich sehr viele Fragen:

  • Wer übernimmt die medizinische Betreuung? (FA für Neurologie, Ambulanz, Krankenhaus – Neurologie)

  • Welche Basistherapie ist sinnvoll?

  • Gibt es für diese „Art“ der MS eine passende Therapieoption?

  • Will ich eine Basistherapie?

  • Wie gehe ich mit etwaigen Nebenwirkungen um?

  • Was kann ich selber ergänzend zur medikamentösen Therapie unternehmen?

  • Wie lässt sich eine medikamentöse Therapie mit meinem Alltag, Beruf vereinbaren?

  • Wie wirkt sich die Erkrankung auf mein weiteres Leben aus?

  • Welche Ausbildungen, Fortbildungen und Umschulung sind für mich zweckmäßig?

  • Lässt sich mein Beruf langfristig mit der MS ausüben?

  • Bekomme ich Unterstützung/Verständnis in der Schule, während der Ausbildung oder dem Studium?

  • Wem soll ich von der Erkrankung erzählen?

  • Wie wirkt sich der berufliche, persönliche und familiäre Stress auf meinen gesundheitlichen Zustand aus?

  • Bin ich verpflichtet, meinen Arbeitgeber zu informieren?

  • Wie erkläre ich die Erkrankung meinen Kindern, meiner Familie, diversen Angehörigen, Freunden und etwaigen Arbeitskollegen?

  • Wie gehen nahe Angehörige damit um?

  • Kann ich mit MS schwanger werden?

  • Wird mich mein/e Partner/in langfristig wegen der MS verlassen?

  • Wie wirkt sich die MS auf eine Partnerschaft aus?

  • Welche Unterstützung wäre für betroffene Paare hilfreich?
     

Die Gewissheit, an einer chronischen nicht heilbaren Erkrankung zu leiden, deren Verlauf nicht absehbar ist, löst bei Betroffenen und Angehörigen Ängste, Ohnmacht, Hilflosigkeit sowie Unsicherheit aus.

Die Psychotherapie ist ein anerkanntes Heilverfahren und eine wichtige Säule neben der medikamentösen Therapie, der Bewegung (Physiotherapie), der Ernährung, der komplementären und alternativen Möglichkeiten.

All diese Fragen, Unsicherheiten können in einem geschützten Rahmen besprochen werden.

Psychotherapie kann nicht nur im Rahmen der Erstdiagnose helfen. Sie kann auch im weiteren Verlauf hilfreich sein. Ich arbeite mit Betroffenen, deren Angehörigen sowie betroffenen Paaren.

Bei Auftreten von Schwierigkeiten im Umgang mit der Erkrankung, bei Gefühlen von Angst, Wut, Verzweiflung, wenn das Leben schwer bewältigbar erscheint, kann eine therapeutische Betreuung unterstützend helfen.

Es ist sehr wichtig, die MS nicht als Gegner anzusehen, sondern sie in sein Leben zu integrieren. Man kann mit dieser Erkrankung das Leben aus einem neuen Blickwinkel kennenlernen und eine für sich passende Lebensweise entwickeln.

Viele Menschen mit chronischen Erkrankungen stehen vor täglichen Herausforderungen. Täglich heißt es neue Herausforderungen meistern, Barrieren überwinden, Amtswege, Bewilligungen schaffen und unpassende Bemerkungen seitens anderer Personen auszuhalten. Dazu kommen zunehmender Verlust von Sozialkontakten, Arbeitsplatzverlust, Umschulungen, Trennungen, Unverständnis seitens der Familie und Freunde.

Oft hat man das tägliche Kämpfen satt und kommt zunehmend in eine Depression.

Im Rahmen der psychotherapeutischen Betreuung unterstütze ich Sie, all diese Aspekte zu bewältigen und für sich einen passenden Lösungsweg zu finden.

Mit Hilfe von therapeutischer Begleitung lernt man mit den Begleitumständen umzugehen.

Psyche und Körper muss man als eine Einheit wahrnehmen. Die Psyche hat einen sehr großen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung.

Nach der Erstdiagnose erstarren viele Personen. Trotz der Erkrankung kann man viele Dinge tun, welche einem sehr wichtig sind und Spaß machen.

Jeder muss für sich selbst die jeweiligen negativen Einflüsse herausfinden. Diese sind bei den betroffenen Personen sehr unterschiedlich.

Die einzelnen Basistherapien haben sehr häufig langfristig psychische Nebenwirkungen. Mit professioneller Unterstützung bekommt man diese meist sehr gut in den Griff. Es ist meist nicht gleich notwendig, Psychopharmaka zu nehmen.

Chronische Stressbelastungen, die ein Gefühl der Überforderung bewirken, können sich negativ auf den Verlauf von chronischen Erkrankungen auswirken.

 

Um bei Kindern und Jugendlichen Angst, Sorgen, Bedenken vorzubeugen, ist es sehr wichtig mit ihnen offen und dem Alter passend über die Erkrankung zu reden. Kommunikation ist ein wichtiger Schlüssel, damit sie besser zurechtkommen. Fehlendes Wissen über die Erkrankung kann zu subjektiver Belastung führen. Psychische Belastungen der Kinder durch die Erkrankung eines Elternteils werden häufig unterschätzt. Kinder und Jugendliche registrieren viel mehr als die Erwachsenen vermuten. Erste Anzeichen können schulische Probleme, Leistungsabfall, sozialer Rückzug, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme usw. sein. Diese Symptome sollten sehr ernst genommen werden.

Kinder erkrankter Eltern werden auch als „Young Carers“ bezeichnet. „Superhands“, eine Initiative der Johanniter, ist ein kostenloses Hilfsangebot für Kinder und Jugendliche von kranken Eltern. In Österreich betreuen ca. 42.700 Kinder und Jugendliche kranke Elternteile. (Telefonhotline: 080088 87 87). Kostenlos und anonym, telefonisch und online.

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